Gesamtüberblick über das Projekt

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Februar 2004 den Förderschwerpunkt "Forschung für die nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen" bekannt gegeben. Das Projekt "LiWa" ist eines von 10 Projekten, das vom BMBF nach der zweijährigen Vorphase (2005-2007) für die Durchführung der fünfjährigen Hauptphase (2008-2013) ausgewählt wurde.

Ziel des Projektes “Nachhaltiges Management von Wasser und Abwasser in urbanen Wachstumszentren unter Bewältigung des Klimawandels - Konzepte für Lima Metropolitana (Perú) - (LiWa)” ist die nachhaltige Planung und das Management einer der entscheidenden Lebensadern – Wasser und Abwasser – in Lima, einem der urbanen Wachstumszentren der Welt mit besonders schwierigen Randbedingungen. Das Projekt stellt dabei insbesondere auf die Auswirkungen des Klimawandels und die Förderung energieeffizienter Strukturen ab.

Während der Vorphase sind die relevanten Stakeholder identifiziert und erste Kontakte hergestellt worden. Eine erste Vorversion eines Makromodellierungswerkzeuges zur Simulation der Wassersystems der Megacity sowie eine Analyse von Abwassertechnologien erlauben die Analyse von Szenarien und Handlungsoptionen und unterstützen so Diskussionen und Entscheidungsfindungsprozesse.

Projektziele

Das Projekt LiWa hat die Entwicklung und Anwendung grundlegender Methoden und Verfahren zur partizipativen Entscheidungsfindung zum Ziel. Einen Grundpfeiler hierfür bildet die gesamthafte Modellierung und Simulation des Wasser- und Abwassersystems des urbanen Wachstumszentrums Lima (einschließlich seiner Interaktionen mit dem Energiesystem). Darüber hinaus entwickelt und analysiert das Projekt Optionen zur Ausgestaltung der Tarifstruktur, die ökonomische, ökologische und soziale Gesichtspunkte berücksichtigen. Mit diesem Ansatz werden die Herausforderungen an energie- und klimaeffiziente Strukturen in umfassender Weise angegangen.

Wegen der Wichtigkeit, nicht nur für Lima, sondern auch für den Globus, wird im LiWa-Projekt die Lebenslinie «Wasser» als Schwerpunkt gewählt. Unter Verwendung des Beispiels Limas (als ein Fall mit besonderen Herausforderungen) werden Methoden und Werkzeuge entwickelt, um das Wassersystem zu analysieren. Dies unterstützt die Entscheidung über notwendige Maßnahmen, mit denen die Folgen des Klimawandels in nachhaltiger Weise bekämpft werden können.

Spezifische Projektziele und Arbeitsplan

Aus der Problemdarstellung ergeben sich folgende Hauptaufgaben und spezifischen Projektziele, die für das LiWa-Projekt identifiziert wurden:

1. Integrierte Entwicklung von Szenarien

Definition von Szenarien: Bedingt durch die Unsicherheit der Folgen des Klimawandels und der Variabilität in der Auswahl und Implementierung von Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel ist es zwingend, mit einem Set von Szenarien zu arbeiten, die die Breite der Entwicklungsmöglichkeiten abbilden und Orientierung für die Entscheidungsträger liefern. (vgl. Arbeitspaket 2)

2. Klimaregionalisierung, Wasserhaushalts-, Wasserangebots- und Wasserkraft-Modellierung

Downscaling der Szenarien des Klimawandels auf die lokale Ebene, Simulation der regionalen Wassereinzugsgebiete in den Klimaszenarien, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit von Wasserressourcen zur Nutzung für die Wasserversorgung, das Ökosystem und die Erzeugung von Wasserkraft zu untersuchen. (vgl. Arbeitspaket 3)

3. Makro-Modellierung und Simulationssystem

Entwicklung eines Simulators zur Visualisierung, Modellierung und Simulation des kompletten Wassersystems und anderer Ressourcenflüsse innerhalb des urbanen Wachstumszentrums Lima. Dieser Simulator wird verwendet für die Evaluation von Szenarien und Betriebsvarianten. Dies unterstützt die Langzeitplanung unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels und bezieht verschiedene Sets von Werten und Präferenzen mit ein. (vgl. Arbeitspaket 4)

4. Partizipation und Steuerungsmodell

Entwicklung geeigneter Verfahren zur Einbindung von Stakeholdern und der Öffentlichkeit, die die Ergebnisse der integrierten Modelle (analytische Komponente) mit deliberativen Methoden der Entscheidungsfindung und Bürgerbeteiligung verknüpfen. Exemplarische Umsetzung zur Lösung besonders eklatanter Konflikte. Entwicklung eines intergrierten Steuerungsmodells, das Vertreter von Regierung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft einschließt. (vgl. Arbeitspaket 5)

5. Ausbildung und Capacity Building

Unterstützung bei Maßnahmen des Capacity Building und Capability Empowerment bezüglich erforderlicher Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel, inklusive Kooperationsstrukturen zwischen öffentlichen Stellen, Limas Wasserversorgungsunternehmen, Interessengruppen und zukünftigen Fachleuten.

6. Ökonomische Bewertung von Optionen der Wasserbepreisung

Identifizierung und Bewertung von Optionen der Wasserbepreisung, um Wasserqualitäts- und Wasserquantitätsprobleme in Lima zu überwinden. Es wird untersucht, inwieweit verschiedene Optionen geeignet sind, die Kosten der Wasserversorgung zu decken, verteilungspolitische Ziele zu erreichen und institutionelle und polit-ökonomische Hindernisse zu überwinden. Zudem wird näher analysiert, ob gegebenenfalls Änderungen des institutionellen Rahmens notwendig sind, um eine Wasserpreisreform umzusetzen. (vgl. Arbeitspaket 7)

Abbildung 1: Arbeitspakete des LiWa-Projektes

Struktur des Projektes

Am Projekt wirken insgesamt zehn Partner mit. Diese stammen aus den Bereichen Forschung und universitäre Bildung, Nichtregierungsorganisationen und dem KMU-Sektor. Die Partner ergänzen sich durch ihre Expertise, die in komplementärer Weise die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit umfasst. Die Kernelemente des Projektes umfassen Modellierung, Partizipation und Ausbildung, wie in Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung 3: Kernelemente und erwartete Ergebnisse des LiWa-Projektes

Das LiWa-Projekt ist als „Saatprojekt“ angelegt, d. h. während der Laufzeit des Projektes werden wichtige Kernelemente durch zusätzliche Aktivitäten außerhalb des Projekts ergänzt (auch durch Dritte, einschließlich der Industrie, ggf. auch unter Inanspruchnahme weiterer Finanzierungsgeber). Dieser Ansatz ist notwendig, um der Dynamik der Aufgaben und den zahlreichen Unsicherheiten in Bezug auf den Klimawandel gerecht zu werden.

Ein zweites Kennzeichen des Projektes ist die zweistufige Vorgehensweise. Entscheidungsträger und die Bevölkerung verlangen schnelle Entscheidungen über Maßnahmen, aber zur gleichen Zeit ebenfalls langfristig nachhaltige Lösungen und Ansätze. Dazu muss eine Brücke gebaut werden (und die potenziellen Risiken minimiert werden) zwischen dem Erfordernis kurzfristiger Erfolge (z.B. die Erreichung öffentlicher Unterstützung durch die Politik und Bevölkerung Perus) und der Notwendigkeit wirklich nachhaltiger langfristiger Konzepte.

Erfahrungen aus der Vorphase bestätigen die Notwendigkeit neutraler und umfassender Beratung für strategische Entscheidungen, die für die nachhaltige Planung und Betriebsführung im Wassersektor getroffen werden müssen. Deshalb ist das dritte Kennzeichen des Projektes das Vertrauen auf analytische und deliberative Verfahren. Die Integration von Analysen und Deliberationen sichert, dass das beste zur Verfügung stehende Wissen die Richtlinie für die Gestaltung von Politiken darstellt. Gleichzeitig gewährleistet diese Vorgehensweise, dass technisch und ökonomisch machbare Optionen generiert und in einem partizipativen Prozess evaluiert werden. Die politischen Entscheidungen müssen effektiv, ökologisch verträglich, ökonomisch effizient und sozial verträglich sein. Kurz gesagt: Politiken müssen nachhaltig sein. Die Erreichung dieses Ziels wird dadurch unterstützt, dass großer Wert auf Bildung und Ausbildung (Capacity Building) gelegt wird, welche die Kontinuität der Projektziele auch nach Beendigung des Projektes absichern.

Das LiWa-Projekt ist so ausgelegt, dass ein effektiver und effizienter Transfer von Informationen zwischen den relevanten Akteuren im Interessensgebiet – Wissenschaftler, Ingenieure, Wasser- und Abwasserexperten, Entscheidungsträgern und Vertretern der Zivilgesellschaft – sichergestellt ist. Gleichzeitig ist der ständige Fluss von Informationen und Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Zielgruppen während des gesamten Forschungsprozesses ein besonders innovativer Aspekt dieses Projektantrags. Viele Kommunikationsprogramme in diesem Gebiet setzen Kommunikation erst an das Ende des Forschungsprozesses. Die Betonung in diesen Programmen liegt auf der Verbreitung der Ergebnisse bei einem Publikum. Im Gegensatz dazu hat das LiWa-Projekt eine konstante Rückkopplung und Lernen unter den Projektpartnern sowie zwischen Projektpartnern und potenziellen Nutzern und Politikern als Schwerpunkt. Das Projekt wird daher die gesamte Breite sozialer Akteure während der entscheidenden Projektstadien einbeziehen.

 



Home |  Ziele |  Lima |  Zeitplan |  Dokumente |  Projektteam |  Intern |  Kontakt |  Impressum